Trautmann, Felix

(Eikones, Universität Basel/Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Frankfurt am Main)

Die Freiheit der Unterwerfung. La Boéties servitude volontaire als Quelle der Subjektivierungskritik

Wer ist das Subjekt der ‚freiwilligen Knechtschaft’? Inwieweit bleibt dieses Subjekt aus freien Stücken unfrei – in welcher Weise unfreiwillig frei? Étienne de La Boéties Discours de la servitude volontaire wirft bereits im 16. Jahrhundert diese Fragen auf und entwickelt dabei, so die These, eine Subjektivierungskritik avant la lettre. Zwar entwickelt er diese mit Blick auf die Unterwerfung und das politische Handeln des monarchischen Untertan im neuzeitlichen Frankreich, doch bleibt die ‚freiwillige Knechtschaft‘ auch in späteren politischen Theorien ein wichtiges Motiv. Die enigmatische Denkfigur La Boéties zeigt sich dabei bis heute als kritische Quelle zahlreicher Subjektivierungs- und Ideologietheorien. Sie findet zum einen Widerhall in der emphatischen Aufforderung der Aufklärung, den Ausgang aus der ’selbstverschuldeten Unmündigkeit‘ (Kant) zu suchen, sowie zum bei jenen Autor_innen, die nach den subjektiven Verstrickungen mit der Macht, den ‚passionate attachments’ (J. Butler) fragen. In beiden Fällen zeigt sich die Kritik der Verhältnisse als die der Selbstverhältnisse. Der Vortrag versucht neben der Genealogie der Kritik freiwilliger Knechtschaft auch deren kritischer Funktion für gegenwärtige politische Praktiken und mit Blick auf neue Formen der Desubjektivierung nachzugehen.

 

Ausgewählte Veröffentlichungen: Das politische Imaginäre (2014; hrsg.); Partage: Zur Figurierung politischer Zugehörigkeit in der Moderne (2010); „Nichtmitmachen. Zur Negativität der Gemeinschaft“ in: Profile negativistischer Sozialphilosophie. Ein Kompendium (2011; hrsg. von Burkhard Liebsch, Andreas Hetzel und Hans Rainer Sepp).